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Keine Sorgen um die Zukunft

Keine Sorgen um die Zukunft

Manchmal ist das, was man als Mensch im Berufsleben macht, Ergebnis eines Plans. Manchmal ist das berufliche Dasein kunstvoll. Und manchmal ist es purer Zufall. Im Fall von Kerstin Braun trifft Letzteres voll ins Schwarze. Als die gebürtige Borkenerin (Schwalm-Eder-Kreis) 1986 nach dem Abitur an der Christophorus-Schule in Oberurff nach Kassel kam, hatte sie tatsächlich keinen Plan. „Ob Studium, welches Studium, ob ne Ausbildung – ich wusste nicht, was ich machen wollte“, erinnert sie sich an die ersten Tage in der Großstadt. Sie wohnte in einer WG an der Wilhelmshöher Allee. Eines Tages meldete sich der Vermieter, bot einen Telefon-Job im Büro an. Kerstin Braun griff zu. Der Vermieter, er betrieb ein kleines Ingenieur- und Immobilienbüro. Ein Tag Telefondienst, ein Tag Tummeln in der Immo-Branche – der Funke hatte gezündet. „Ich habe mir immer gedacht, ich will was machen, was ich ein Leben lang gern machen möchte – und nach dem einen Tag wusste ich: Das ist es!“

Heute ist sie mit ihrer Firma West-Immobilien fest in der Branche etabliert. Vermittelt mit ihren vier Mitarbeiterinnen vom Büro in Bad Wilhelmshöhe aus jährlich zwischen 40 und 60 Objekte. Und weiß um die Besonderheiten des Jobs – und um das, was den Job eben besonders macht.

Sorgen um die Zukunft muss sich die Branche in Kassel und Nordhessen nicht machen, da ist sie sich sicher.

Immobilien seien weiter stark nachgefragt – und da gibt es, gerade was Kassel und Umgebung betrifft, einige bemerkenswerte Trends. Grundsätzlich gelte das Prinzip, dass sich jede Immobilie vermarkten lasse, aber die absolut bevorzugten Wohnlagen in Kassel seien, keine Überraschung, Wilhelmshöhe, Kirchditmold und der Vordere Westen. Und Harleshausen, Brasselsberg? Auch interessant – aber zu diesen Stadtteilen existiert eben keine Straßenbahnverbindung und schon gibt es Abzüge auf der Beliebtheitsskala.

WIR LEBEN VON EMPFEHLUNGEN.

Kerstin Braun

Im Umland wird die Sache schwieriger, denn von Landflucht sei gerade bei jüngeren Menschen hier in der Region nichts zu spüren. Wenn bestimmte Kriterien, beispielsweise Schule mit englischsprachigem Unterricht oder Einzelhandel mit Bio-Sortiment, nicht erfüllt werden, dann gebe es keinen Deal. Große Ausnahme im Reigen der Kasseler Nachbargemeinden: Kaufungen – da passe eben alles. Straßenbahn, Infrastruktur – und auch beim Bio-Sortiment kommt niemand zu kurz. Hinzu komme eine gute Durchmischung bei den Einwohnern. Vellmar, Baunatal, Lohfelden ziehen in Sachen Attraktivität den Kürzeren.

Was also entscheidet bei der Immobilienwahl?

Nach wie vor drei Kriterien: der Preis, die Lage – und das Haus selbst. Meist spüre man schon nach fünf Minuten Besichtigung eines Objekts, ob da was passen könnte oder nicht. Und jedem müsse klar sein: Immobilienkauf ist eine emotionale Entscheidung – und dennoch müsse man immer Kompromisse machen. „Auch wenn ich eine Penthouse-Wohnung für eine Million Euro suche – selbst da muss ich zu Kompromissen bereit sein.“ Wenn man beispielsweise in diesem Fall zur Wohnung drei Tiefgaragen-Parkplätze haben wolle und genau die eben nirgendwo zu kriegen seien.

2010 hat Kerstin Braun West-Immobilien übernommen, nachdem sie ab 2002 noch Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Immobilien studiert und danach für die Deutsche Bank in Nürnberg ein Immobilienbüro aufgebaut hatte. Als ihr Mann Stefan dann schwer erkrankte, fiel die Entscheidung, 2006 nach Kassel zurückzukehren. Erst für die Deutsche Bank. Und dann ins eigene unternehmerische Risiko.

Seit den Anfängen im Jahr 1986 hat sich, wie in jeder Branche, in der Immobilienwirtschaft vieles verändert – natürlich auch durch die Digitalisierung.

Konkurrenz machen Kerstin Braun die vielen Immo-Portale im Netz aber nicht. Denn die könnten all das, was die Betreuung durch Immobilienmakler gewährleistet, eben nicht garantieren. Von der rechtlichen Beratung, der Käufer-Vorauswahl, dem Checken von Finanzierungsplan und Eigenkapital bis hin zur oft viel Zeit in Anspruch nehmenden Betreuung von Objekt und Käuferschar – ob man in der Branche was kann, das zeigt sich im Anschluss daran, inwieweit das eigene Unternehmen empfohlen wird. Und das, sagt Kerstin Braun, sei bei West-Immobilien der Fall: „Wir leben von Empfehlungen.“

Was sie selbst empfehlen kann?

Naja, dass man weiter in Immobilien investiert. Die Preise in Kassel seien zwar stark gestiegen – das Preisniveau sei aber immer noch niedriger als in vergleichbaren Städten.